Bewerbungstipps für Juristen

Neues Jahr, neue Herausforderung gesucht? Wenn Sie gerade auf Jobsuche sind, kommt dieser Artikel genau richtig für Sie. Vielleicht sind Sie aber auch unzufrieden in Ihrem derzeitigen Job und daher – undercover – auf der Suche nach einer “neuen Herausforderung”, wie es so schön heißt. Als clevere(r) JuristIn werden Sie nicht lange auf der Suche sein.

Netzwerken mit Xing und LinkedIn

Netzwerken ist unfassbar wichtig. Und man sollte damit nicht erst beginnen, wenn man unbedingt ein Netzwerk braucht (wie zum Beispiel zu Zeiten der Jobsuche oder der Suche nach neuen Mandanten als selbständiger Rechtsanwalt). Xing ist in der DACH-Region noch der Platzhirsch, doch das wird sich in den nächsten Jahren vermutlich ändern. Legen Sie sich bei beiden Plattformen ein Profil zu. Es sollte ausführlich, aussagekräftig und authentisch sein, das Foto professionell und freundlich. Sie müssen nicht ernst gucken, besser gewinnend. Lassen Sie auf den Profilen durchblicken, dass Sie etwas Neues suchen. So offen, wie es Ihnen möglich ist. Inhaltlich (Keywords!) sollte der Profiltext natürlich möglichst auf die Art von Position, Unternehmen, Branche oder Kanzlei ausgerichtet sein, wo Sie am Ende der Suche landen möchten. Geben Sie sich Mühe und schauen Sie vielleicht einfach mal, wie andere Juristen sich präsentieren. Gönnen Sie sich in der Zeit der akuten Jobsuche eine Premium-Mitgliedschaften (erster Probemonat ist kostenlos!), da man auf beiden Plattformen mit einer kostenlosen Mitgliedschaft eigentlich nur passives Mitglied sein und nicht viel interagieren kann.

It’s a match! – Die Passung

Recruiter interessiert, was Sie gemacht haben und für wen Sie das getan haben. Welche Position hatten Sie in welchem Unternehmen oder in welcher Kanzlei inne? Welche Aufgaben hatten Sie da?

Wer neue Mitarbeiter sucht, hat darüber hinaus gewisse Skills im Hinterkopf, die für die zu besetzende Stelle notwendig oder wünschenswert sind. Einiges davon ist zwingend, um überhaupt eingeladen zu werden. Anderes hingegen ist “nice to have”, aber keine Voraussetzung. Und schließlich gibt es noch das, was man sich on-the-job, durch learning by doing, aneignen muss (die Anglizismen mögen Sie mir verzeihen).

Recruiter suchen nach dem möglichst perfekten “Match”; der optimalen Passung zwischen dem, was Sie gemacht haben und den Aufgaben und Anforderungen der neuen Stelle. Das bedeutet oft, dass gern mal die berühmt-berüchtigte “eierlegende Wollmilchsau” gesucht wird. Versuchen kann man’s ja mal. Bestenfalls haben Sie das, was verlangt wird, schon mal gemacht. Dann wird noch geschaut, für wen Sie in dem Bereich gearbeitet haben. Wenn es eine ähnliche Firma oder Kanzlei ist wie jene, die gerade sucht: Volltreffer! Doch selbst, wenn nicht, haben die Firmen heutzutage oft keine allzu große Auswahl mehr, jedenfalls die kleineren, die nicht top Gehälter zahlen können. Und je besser Sie sind, desto eher können Sie sich die Rosinen raussuchen und sind längst nicht (mehr) darauf angewiesen, dass ein Arbeitgeber “Ja” sagt.

Die Bewerbungsunterlagen

Die Bewerbungsunterlagen müssen natürlich auch top arrangiert sein. Online verschickt, in einer pdf-Datei zusammengefasst. Wer studiert und schon Berufserfahrung hat, braucht normalerweise kein Abi-Zeugnis vorzulegen. Der Lebenslauf sollte auf zwei Seiten Platz finden. Und legen Sie nicht jedes Zeugnis bei, das Sie je erhalten haben. Die relevanten Zeugnisse sind wichtig.

Bedenken Sie: Die Aufmerksamkeitsspanne ist heutzutage gering. Mehr als ein paar Sekunden wird Ihr Lebenslauf nicht vom Personalverantwortlichen gescannt. Das muss reichen, um ihn zu überzeugen. Er muss übersichtlich und richtig strukturiert sein. Bei jeder Station sollten Sie in 2-3 Bulletpoints anfügen, welche Aufgaben Sie hatten und mit welchen Inhalten Sie umgegangen sind.

Kennen Sie vielleicht Jemanden (über einen Dritten), der in der Firma mal gearbeitet hat oder womöglich noch arbeitet, bei der Sie sich bewerben wollen? Es mag sogar Konstellationen geben, wo einer der eigenen Kontakte den Recruiter oder den Chef der Firma kennt. Vitamin B hat noch nie geschadet. Bei LinkedIn können Sie übrigens Referenzen anführen bzw. sich von Dritten empfehlen lassen.

Bei all Ihren Bemühungen müssen Sie im Hinterkopf behalten, dass in Kanzleien und Rechtsabteilungen oft recht konservative Geister sitzen. Sie sollten daher vielleicht nicht unbedingt exotische Bewerbungsformen – wie z.B. ein Bewerbervideo – testen, selbst, wenn es ein neuer Bewerbungstrend sein mag.

Vor dem Bewerbungsgespräch

Schauen Sie sich vor dem Gespräch die Website der Kanzlei oder der Firma sehr gut an. Tauchen Sie ein. Sie müssen einerseits gut informiert sein (was für Interesse als Grundvoraussetzung spricht) und letztlich müssen Sie sich ja auch darauf vorbereiten, selbst ein paar Fragen zu stellen.

Informieren Sie sich über realistische Gehaltsvorstellungen in Ihrem Bereich. Mit etwas Recherche im Internet und vielleicht ein paar Gesprächen, sollten Sie einerseits ein Gefühl dafür bekommen, in welcher Range die Stelle etwa dotiert sein wird. Andererseits müssen Sie auch wissen, was Sie verlangen können, was Sie wert sind. Der Wert steigt natürlich mit jedem Prädikatsexamen, jedem Titel (LL.M, Promotion, Fachanwalt), fließenden Englisch- oder anderen Fremdsprachenkenntnissen, einschlägiger Berufserfahrung usw.

Authentizität ist wichtig. Bei dem Vorstellungsgespräch in einer Großkanzlei müssen es wohl oft noch Anzug und Kostüm sein. Bei sonstigen Arbeitgebern sollte es auch durchaus ok sein, wenn Sie eine gute Stoffhose und ein weißes Hemd tragen. Ziehen Sie an, worin Sie sich nicht verkleidet fühlen. Sie werden dann authentischer und selbstbewusster auftreten. Schließlich geht es nicht um eine Modenschau, sondern um ihr juristisches Wissen. Ja, ich weiß, “Kleider machen Leute”, aber solange eine gewisse Form gewahrt ist, muss es z.B. nicht immer zwingend der Anzug sein und erst recht nicht zwingend ein Rock für die Damen.

Wie man sich artikuliert, wie interessiert man ist, wie man auftritt, wie das Gespräch verläuft – Vorbereitung ist die halbe Miete, aber dennoch: Bleiben Sie locker! Am Ende spielt die Chemie auch eine große Rolle.

 

Sie finden schon das Wort „Netzwerken“ etwas anstrengend? In der Praxis geht’s auch ganz entspannt! Hier finden Sie die Top 8 Möglichkeiten des entspannten Networkings.

 

 

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